Mittwoch, Mai 21, 2008

Informatik als angewandte Philosophie

Was war zuerst: Die Henne oder das Ei? Oder setzen wir noch früher an: Was bitte ist ein Ei, was genau ein Huhn? Informatiker setzen sich auf ihre eigene Art und Weise mit solchen Fragen auseinander -- eigentlich sogar tagtäglich. Zwar sprechen sie selten von Hühnern oder Eiern, aber sie haben Antworten zu bieten.

Wollen Sie auch erfahren, was Informatiker so gedankenverloren in den Kaffee schauen lässt und warum Milchtüten eine echte Herausforderung sind?

Dann möchte ich Sie herzlich einladen zu meinem Vortrag "Informatik als Angewandte Philosophie: Gedanken über Bits und Bytes" am Dienstag, 3. Juni 2008, um 17:30 Uhr bis 19 Uhr. Der Vortrag findet statt im Rahmen der Ringvorlesung "Mensch-Umwelt-Zukunft" an der Hochschule Heilbronn (Max-Planck-Str. 39) im Raum E010.

Ich freue mich auf Ihren Besuch. Und wenn Sie Wünsche, Anregungen, Gedanken haben, zu denen Sie gerne etwas hören möchten, dann lassen Sie es mich wissen.

Kommentare:

Aaron Müller hat gesagt…

Danke für den tollen Vortrag, mir hat es sehr gefallen! (auch wenn das nicht-lokalisierbare, konstante brummeln etwas abgelenkt hat :-)

andreas maier hat gesagt…

Dem kann ich mich nur anschließen :). Auch wenn uns einiges schon vorlesungsbedingt bekannt war hat mir vor allem die Diskussion am Ende neue Denkanstöße gegeben. Ich finde, dass der Blinkwinkel von anderen Leuten oft neue und interessante Aspekte aufbringen, die in einem anderen Kontext zu tollen Ideen führen können:-)...

Helmut Hille hat gesagt…

Wie in der Diskussion vorgetragen, fehlten mir im Vortrag grundsätzliche Aussagen, die den Bezug des Titels auf die Philosophie rechtfertigen. Das Gehirn ist KEIN Computer und kann mit einem solchen daher nicht erklärt werden. Es leistet Wesentliches mehr! Beide verarbeiten zwar Daten. Aber während der Computer aus Daten nur andere Daten macht, die für ihn selbst keine Bedeutung haben, MACHT DAS GEHIRN AUS DATEN INFORMATIONEN, die Grundlage des Verhaltens seines Trägers sind.
Der Computer wird wertneutral von Algorithmen gesteuert, das Gehirn vom wertenden Selbstbehauptungswillen der Kreatur. Das wollte ich eigentlich noch sagen.
Gruß!
Helmut Hille

Helmut Hille hat gesagt…

Was ich noch sagen wollte:
Sicher wird man Roboter oder Computer bauen können, die sich WIE intelligente Wesen verhalten
und die WIE verständige Menschen mit uns sprechen. Aber nur wer den Anschein schon für das Sein hält,
wird ihnen Intelligenz, Denken und Gefühl zubilligen wollen, die Menschen befähigen, den Sinn des Gesagten zu erfassen und die mit den Worten verbundene eigentliche Absicht zu erkennen, das heißt, überhaupt zur Empathie fähig zu sein. Es ist die allgemeine Betriebsblindheit in den naturwissenschaftlichen Fächern, welche die Besonderheit lebendiger Systeme nicht in den Blick bekommt.

dh hat gesagt…

Lieber Herr Hille,

freilich ist das Gehirn kein Computer, sondern ein neuronales Netz. Hirn wie Computer kodieren alle sensorischen Eindrücke in elektrische Signale -- die grundsätzliche Qualität der Signalverarbeitung ist ihnen also gemeinsam. Was nun im Hirn genau geschieht, wie es zu den von Ihnen beschriebenen "menschlichen" Eigenschaften kommt, darüber wissen wir heutzutage sehr wenig. Es sieht jedoch sehr danach aus, dass unser Ich, unser Bewusstsein an die materielle Struktur gekoppelt ist und aus ihr hervorgeht. Insofern bleibt die spannende Frage, ob wir eines Tages lernen, ähnliche Strukturen für Rechner aufzusetzen, die eine ähnliche Phänomenologie erzeugen.

Zur Intelligenz: Ich sagte es schon im Vortrag. Eine Definition von Intelligenz oder Bewusstsein muss so gestaltet sein, dass als Antwort nicht per se und ausschließlich der Mensch herauskommt. Was ist sonst der Wert einer solchen Definition? Zur Thesenbildung und zum wissenschaftlichen Erkenntnisbildung taugt sie sonst nicht.

Lassen Sie mich mit einer Gegenbehauptung schließen: Es ist die Blindheit nicht-naturwissenschaftlicher Disziplinen, die Besonderheiten des Lebendigen in den Blick zu bekommen. Und es spricht nichts dagegen zu entmystifizieren.

Herzlichen Gruß,

Dominikus Herzberg

Helmut Hille/www.helmut-hille.de hat gesagt…

Verehrter Herr Professor,
die Besonderheit des Lebendigen ist, dass es sich der Materie BEDIENT, während diese keinerlei Willen hat. Dass das Leben und der Geist an Materie gebunden oder gekoppelt sind ist keine besondere Erkenntnis und für mich kein Argument für die Zukunft des Computers. Dieser wird immer nur auf Daten reagieren und nicht emphatisch das Gemeinte, den Sinn des Gesagten verstehen. Wenn Informatik sich nicht der grundsätzlichen Differenz von Daten und Information bewusst ist, bleibt sie zwangsläufig unkritisch. Siehe hierzu meine Hommage an Gadamer anlässlich seines Todes: "Gadamer und das hermeneutische Problem" auf www.helmut-hille.de/gadamer.html.
Ich wollte eigentlich nur mal nachsehen, ob meine beiden Kommentare auch veröffentlicht worden sind. Schön, dass sie auch einer Antwort gewürdigt wurden.
Mit den besten Grüßen
Helmut Hille

Anonym hat gesagt…

FNORD

http://isaaccaret.fortunecity.com/

Hille hat gesagt…

Lieber Leser,
um nicht in Verdacht zu kommen, das letzte Wort haben zu wollen, bin ich auf die Schlussbemerkung von Prof. Dominikus Herzberg vom 12. Juni 2008 bisher nicht eingegangen. Diese lautet:
"Lassen Sie mich mit einer Gegenbehauptung schließen: Es ist die Blindheit nicht-naturwissenschaftlicher Disziplinen, die Besonderheiten des Lebendigen in den Blick zu bekommen. Und es spricht nichts dagegen zu entmystifizieren."
Wer sich auf WEGE DES DENKENS umsieht, besonders in Abteilung III, wird da schnell auf die Datei (III/2)"Die Genese des Lebens" stoßen, die sogar eine Definition des Lebens enthält, die sie von Nichtlebendigen abgrenzt. Was dagegen Herzberg "entmystifiziert" haben will, weis ich allerdings nicht, weshalb ich dazu nichts sagen kann.
Für das Bewusstsein habe ich inzwischen auch eine Definition gefunden: das Bewusstsein ist das Korrektivorgan des Unbewussten und dieses sind wir selbst. Auch dazu gibt es Texte von mir.
Ansonsten habe ich mich gefreut, dass es diese Kommentarseite immer noch gibt, welche eine Spur zu den Ringvorlesungen legt, die ich mehrere Semester lang besucht habe.
Mittwoch, den 21. Dez. 2016
Helmut Hille
www.helmut-hille.de

dh hat gesagt…

Dass Sie, lieber Herr Hille, nach all den Jahren wieder den Faden aufnehmen, ist bemerkenswert! -- Herzliche Grüße, DH