Freitag, September 21, 2007

Computer-basierte Beratung in der Medizin


Die computer-basierte, medizinische Beratung von Patienten wird zunehmend auch in Deutschland als ein hilfreicher Baustein in der Vorsorge und Therapie entdeckt. Auf dem Bild sehen Sie ein solches Beratungssystem im Einsatz. Der Patient interagiert mit dem drucksensitiven Bildschirm des TabletPCs über einen speziellen Stift. Zum Einsatz kommt dieses System gerade in einer Studie, die in Praxen von Hausärzten durchgeführt wird.

Dieses Beratungssystem ist entwickelt worden im Rahmen einer Forschungskooperation der Hochschule Heilbronn und der Philipps-Universität Marburg. Dafür hat sich ein interdisziplinäres Team zusammengefunden aus Medizinern, Psychologen und Software Engineers. Sie dürfen raten, an welchem Teil ich beteiligt bin :-)

Die erste Fassung der Beratungssoftware ist übrigens im vergangenen Sommersemester 2007 an der Hochschule Heilbronn im Rahmen einer Veranstaltung entstanden, dem "Labor für Software Projekte". Mittlerweile ist die Software neu geschrieben und weiter entwickelt worden.

Bei der aktuellen Untersuchung, die die Marburger Mediziner und Psychologen derzeit mit dem Beratungssystem durchführen, geht es um eine Akzeptanzstudie. Untersucht werden chronisch erkrankte Patienten; im konkreten Fall Patienten mit diabetes mellitus (im Volksmund "Zuckerkrankheit") und/oder einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Da körperliche Aktivierung ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei diesen Erkrankungen ist, versucht das Beratungssystem den Patienten eine angepasste Beratung zum Thema geben. Welche Bedeutung hat körperliche Aktivität? Wie lässt sich mehr körperliche Aktivität im Alltag einbinden? Bevor das Beratungssystem darauf eingeht, ermittelt es durch Fragen die Motivationsstufe des Patienten bzw. der Patientin (Grundlage ist das Transtheoretische Modell, TTM) und leitet dann über in eine stufenspezifische Beratung.

Wir haben das System diese Woche (Ende September 2007) auf dem 8. Kongress für Gesundheitspsychologie und dem 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vorgestellt und positives Feedback erhalten. Eine weitere Vorstellung wird es im November auf der USAB 2007 (Usability & HCI for Medicine and Health Care) geben.

Wenn Sie Interesse an einer Beteiligung, Mitarbeit oder Kooperation als Mediziner, Psychologe oder Informatiker haben, ich würde mich freuen, wenn Sie sich bei mir melden.

Für die Software-Techniker unter Ihnen: Über die software-technische Aspekte werde ich in einem späteren Blogeintrag berichten.

Kommentare:

fh hat gesagt…

Schon ganz interessant zu lesen, was aus dem Labor-Projekt wird. Wer, wenn mensch fragen darf, hat denn die Software neu geschrieben? Und welche Software wurde neu geschrieben?
Grüße,
fh

dh hat gesagt…

Ein Hiwi hat den Generator-Code komplett neu geschrieben, nachdem wir den Aufbau der Software diskutiert und anders strukturiert hatten.