Dienstag, Oktober 16, 2007

Merk Dir mal ein Bit!


Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich einfrieren und später, irgendwann in der Zukunft, wieder auftauen zu lassen? Das würde etwa die Wartezeit bei einem Flug zum Mars erheblich verkürzen. Was auch immer Ihr persönlicher Grund für eine solche Aktion sein möge, lassen Sie die Finger davon. Mal abgesehen davon, dass das Einfrieren und Auftauen von Zellen eine äußerst heikle Angelegenheit ist -- es kostet Sie nur Geld und lässt Sie strohdumm werden! Ganz richtig: Es macht Sie dumm! Warum? Lassen Sie mich mit einem kleinen Exkurs beginnen: Wie wird Information gespeichert?

Es gibt zwei Arten der Speicherung von Information. Ich möchte Ihnen das anschaulich an zwei Beispielen erläutern:

Nehmen Sie ein kleines Behältnis, eine Schatulle etwa, die ein Steinchen aufnehmen kann. Ist die Schatulle leer, hat die Schatulle den Wert Null gespeichert. Ist das Steinchen in der Schatulle, wollen wir das als den Wert Eins verstehen.

Das ist das wohl am weitesten verbreitete Verständnis eines Informationsspeichers: in einem Gedächtnis (einer Art Riesenschatulle) kann Wissen "abgelegt" werden.

Doch es gibt eine interessante Alternative dazu: Nehmen Sie eine Tasse mit Kaffee und rühren Sie den Kaffee rechts herum: Eins. Rühren Sie ihn links herum: Null. Die Rotationsrichtung des Kaffees enthält die Information! Wenn Sie zu lange warten, sorgen Reibungsverluste dafür, dass dem System Energie entzogen wird und sich irgendwann ein undefinierter Zustand ergibt: der Kaffee rotiert nicht mehr, die Information ist vergessen.

Wir haben also zwei Fälle vorliegen:

  • Informationsträger ist Materie und örtlich gebunden (Raum)

  • Informationsträger ist Energie und zeitlich gebunden (Fluß)


In technischen Systemen wird das Rotierenlassen von Energie zur Informationsspeicherung durch Rückkopplung erreicht. Rückkopplung ist die Rückführung von Ausgängen an Eingänge. Ein sehr schönes Beispiel ist das Flipflop, das z.B. aus zwei NOR-Gattern besteht. Der Schaltkreis selbst ist materielle Information und räumlich gebunden. Der in die materiellen Bahnen geleitete Energiefluss (vereinfacht gesagt der Strom) kann in eine stabile "Rotationsrichtung" versetzt werden -- und merkt sich darüber ein Bit: linksdrehend bzw. rechtsdrehend.

Was passiert, wenn wir ein Flipflop im laufenden Betrieb einfrieren und wieder auftauen? Der Vorgang des Einfrierens entspricht dem Entzug von Energie. Lediglich bei Supraleitung, also Nahe des absoluten Temperaturnullpunktes wäre ein Flusserhalt möglich. Unter "normalen" Umständen vergisst das Flipflop alles und nimmt nach dem Auftauen eine zufällige Rotationsrichtung an. Das Flipflop hat seine Vergangenheit schlichtweg vergessen.

Unser Gehirn besteht aus Nervenzellen, Neuronen, die sich untereinander vernetzen -- das materielle "Schaltungsbild" unseres Denkapparats. Auch hier ist Rückkopplung der Schlüssel zu unserem Gedächtnis. Ohne Rückkopplung wären wir im wahrsten Sinne des Wortes zu keiner "reflektierten" Handlung fähig. Der Teil unseres Denkens, der sich nicht in der Vernetzung der Neuronen niedergeschlagen hat, "kreist" auf diesen rückgekoppelten Bahnen. Würden wir unser Gehirn einfrieren, käme es zum Stillstand des Denkens und aller Erinnerungen, die in uns ihre Kreise ziehen. Dumm gelaufen.

Also: Legen Sie lieber ein Bit ins Gefrierfach! Auch dumme Hefe löscht den Durst!

Kommentare:

Steeefan hat gesagt…

Na ein Bit hab ich doch immer kalt stehen ;)

Christoph Hautzinger hat gesagt…

Deswegen ist wohl auch der Fry aus Futurama so dumm ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Futurama

Andreas Arz hat gesagt…

Ich denke das das Einfrieren im Sinne von allen Prozessen im menschlichen Körper still zu legen und ihn wieder zu einem x-beliebigen Zeitpunkt einzuschalten wohl nie funktionieren wird.

Ich gehe allerdings davon aus, dass Technologien erfunden werden, mit welchen man den Stoffwechsel nur sehr stark verlangsamen kann, und auch die Zellen den "Gefrierbrand" somit auch überleben.
Dies bedeutet natürlich das solch eine Technologie das Altern auch nicht verhindern kann.

Allerdings könnte man weiterhin auf sein Wissen zurückgreifen, da die "Informationen" weiterhin im Fluss sind, während man eingefroren ist.

mfg
aarz

Lotar hat gesagt…

Andreas Arz hat gesagt...

Ich denke das das Einfrieren im Sinne von allen Prozessen im menschlichen Körper still zu legen und ihn wieder zu einem x-beliebigen Zeitpunkt einzuschalten wohl nie funktionieren wird.


Damals dachte man auch dass man am Rand der Erdscheibe runterfällt :D

Warum sollte es nicht möglich sein, die Daten irgendwann auf einen externen Speicher zuladen und danach wieder einzuspielen. Vieles ist sicher nur eine Frage der Zeit. Aber ob es 10,100 oder 1000 Jahre dauern wird bis dies möglich ist, kann niemand sagen.

Dominik Klein hat gesagt…

Da ist es wieder - das FlipFlop. Der Kreis schließt sich ;)

dh hat gesagt…

Genau, lieber Herr Klein ;-) Übrigens sind meine Gedanken zu damals ein wenig weiter gereift. Wenn ich dazu mal was fertig habe, werde ich darüber einen Blogeintrag verfassen.

Gruß,

DH

Albert Gnandt hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
dh hat gesagt…

Ich habe auch schon von Tieren gehört, die extreme Kälte überstehen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass ein "echtes" Einfrieren möglich ist. Wenn ich dazu mal Zeit habe, werde ich in der Richtung recherchieren. Das ist nämlich ein wirklich interessantes Thema.

Gruß in die Ferne,

DH

Albert Gnandt hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.