Montag, März 31, 2008

Sichtweisen in 3D: Balance halten


Wie sehen wir dreidimensional? Die meisten Menschen denken dabei ans Stereosehen: Unsere beiden Augen liefern zwei Bilder, die ein und dieselbe Szenerie aus geringfügig abweichenden Blickwinkeln betrachten. Diese Winkelabweichung genügt, um Tiefeninformationen aus den Bilddaten abzuleiten.

Das ist so richtig, wie es auch nur die halbe Wahrheit ist. Das Stereosehen erlaubt es uns, im direkten Nahbereich von wenigen Metern Distanzen im Raum einschätzen zu können. Aber Sie können auch mit nur einem Auge dreidimensional sehen! Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich mal das Video von Johnny Chung Lee an, einem genialen Kopf, der seinesgleichen sucht. Das Video, das seit Ende 2007 im WWW kursiert, zeigt Ihnen eine aufregend andere Art des Einsatzes der WiiRemote -- und ist gleichzeitig ein brillantes Lehrstück über unsere Grundlagen des 3D-Sehens!



Unser Gehirn verrechnet also auch diese Winkelverschiebungen um in Tiefeninformation. Dazu muss sich etwas bewegen: entweder man sich selbst oder die Szenerie. Lee dreht hier den Spieß um: Er lässt den Computer umrechnen, wie sich die Szenerie verändert, wenn wir uns vor dieser Szenerie bewegen -- und erzeugt damit die Illusion der Tiefe eines Raumes. So rechnen beide: Gehirn und Computer. Die Täuschung ist perfekt!

Hat man einmal gesehen, auf welche einfache und originelle Art und Weise man mit diesen neuen Schnittstellen umgehen kann, kommen einem auch gleich ganz andere Ideen. Vor wenigen Tagen zeigte mir ein Student sein N95-Handy von Nokia mit einer kleinen Applikation, die die Bewegungssensoren im Handy nutzt: eine "Wasserwaage" (siehe Bild oben). Der rote Punkt im Display kommt in der Mitte zur Ruhe, wenn sich das Display des Handys in der Waage befindet. Ansonsten wandert der Punkt nach rechts bzw. links. Die Applikation ist in Python geschrieben und läuft auf dem Python-Port für S60-Handys. Wir haben übrigens nicht mehr ausfindig machen können, wer der Autor des Programms ist und ob es eine Webseite dazu gibt. Hinweise sind willkommen.

Wenn Sie ein Handy haben, das Sensoren für zwei Achsen hat (X- und Y-Achse), dann können Sie die Lee-Idee entweder direkt auf dem Handy umsetzen oder Sie lassen sich etwas anderes einfallen. Mein Vorschlag wäre folgender: Stellen Sie sich vor, auf Ihrem Handydisplay stünde senkrecht ein Stab mit einer roten Kugel als Kopf, eine Stecknadel. Sie schauen in der Draufsicht auf das Display, sprich, Sie sehen nur die rote Kugel von oben als Kreis. Nun kippen Sie das Handy hin und her. Sie sehen nun die Stecknadel von der Seite, je nach Neigungsgrad. Es wird sich ein starker, visueller 3D-Eindruck einstellen, ähnlich wie bei dem Video, das Sie oben gesehen haben. Wenn Sie wollen, können Sie die "Stecknadel" bei Neigung allmählich kipppen lassen, so dass die Herausforderung darin besteht, die Nadel wieder in Balance zu bekommen. Ein nettes Spielchen! Wenn Sie noch einen Sensor für die dritte Achse haben (Z-Achse), können Sie die Nadel auch "hochwerfen" und auf einer virtuellen Ebene im Raum landen lassen. Sie erahnen es. Man kann sich ganz neue und ganz andere Spielideen und Anwendungsgebiete einfallen lassen.

Mag sich jemand an eine Umsetzung machen? Oder haben Sie noch andere nette, mehr oder minder sinnvolle (Spiel-)Ideen?

Kommentare:

kb hat gesagt…

Heute habe ich auch mein N95 bekommen. Mal schauen in wie fern die Python-Schnittstelle taugt :)

Anonym hat gesagt…

Jaaaa, das digitale Kugellabyrinth auf dem Handy kommt. Das wird die Killerapp fürs ipod :-) iFund ich komme ...

Lars

Steeefan hat gesagt…

Ah, das Handy kenn ich doch ;)

Zum Video: Das ist echt eine super Anwendung, Johnny Chung Lee hat es wirklich drauf. Auch seine Whiteboard-Idee finde ich wirklich gut. Die wollte ich immer mal nachmachen, besitze ich doch eine Wii. Sollte ich mal dazu kommen, werde ich natürlich darüber berichten.

Till hat gesagt…

Klingt nach einer interessanten Aufgabe:
Hier noch ein paar Tools/Infos:

Mobile Sensor API
JavaTM Binding for the OpenGL® ES API
ein Beispiel von Sony-Ericsson
J2ME Polish unterhält eine Datenbank , über die man herausfinden kann, welche Geräte welche APIs unterstützen.

So das waren natürlich wieder Inforamtionen zu ihrer "nicht Lieblingssprache", Herr Herzberg ;-)

Ich hoffe dennoch einigen einen interessanten Startpunkt gegeben zu haben.

Ach übrigens: die Firma , bei der ich derzeit mein Praktikum absolviere, sucht noch Werksstudenten für die Entwicklung auf dem iPhone. Allerdings C++ und kein Java. Mehr Informationen sollten am Job-Brett des Studiengangs aushängen.