Donnerstag, November 01, 2007

Hey Django!

Wie lässt sich zügig eine webbasierte Anwendung entwickeln, die auf einer relationalen Datenbank aufsetzt?

Da ich gerade ein Projekt betreue, bei dem es genau auf diese beiden Punkte ankommt (webbasiert und datenbankgetrieben), gab ich mir selber einen Tag, um mir eine "moderne" Entwicklungsumgebung und ein "modernes" Framework anzuschauen. Der erste Kandidat: Zoho Creator; der zweite: Django.

Zoho ist eine Firma, die sich -- wie einige andere auch -- dem Nachbau von Desktop-Software auf rein webbasierter Basis widmet, meist ergänzt um Features zur Kollaboration. Darunter finden sich Nachbauten von Word und Excel, eine Projektmanagement-Software, ein Wiki. Meine Aufmerksamkeit erregte jedoch bereits vor einiger Zeit ZOHO Creator, eine vollständig browserbasierte Entwicklungsumgebung zum Bau von Datenbank-Anwendungen. Zoho wirbt mit einer kinderleichten Programmierung, die selbst Amateuren Erfolge bescheren soll.

Dieses Versprechen kann Zoho Creator nicht einhalten. Der Einstieg gelingt zwar schnell, aber ich verzweifelte schon an relativ einfachen Problemen. Die erzwangen das Verlassen der visuell-orientierten Programmierumgebung (die wirklich fein gemacht ist!). Der Wechsel ins "Free-flow Scripting" erwies sich aufgrund einer mageren Dokumentation als Frust- und weniger als Flow-Erlebnis. Nach drei Stunden gab ich auf.

Django reiht sich ein in die Schlange der Frameworks, die "Ruby on Rails" gleich eine ungekannte Leichtigkeit der Webprogrammierung proklamieren. Meine Wahl fiel auf Django, da ich eine exzellente Dokumentation vorfand und mit einer mir vertrauten Programmiersprache operieren wollte. Django läuft unter Python.

Der Einstieg quälte sich etwas dahin, da es eine Menge Lesematerial zu verdauen gilt -- die Intros sind sehr gut und aktuell. Ich wurde jedoch skeptisch, da ich vieles "fressen" musste ohne es zu verstehen. Dann, nach zwei Stunden, als mein Datenbankschema endlich stand, durfte ich die Vorzüge erfahren, die "late binding"-Programmiersprachen mit sich bringen: Änderungen am Code übernimmt der Webserver automatisch; man kann unmittelbar am Browser den Erfolg der Bemühungen austesten. Die Entwicklung wird flüssig, man hat permanentes Feedback. Nach etwas mehr als einem halben Tag hatte ich einen guten Teil des Projekts umgesetzt. Von Null! Das nenne ich "Flow-Scripting". Allerdings muss man sich mit Python auskennen, sonst steht man bei Fehlermeldungen etwas verloren da.

Interessant ist, dass man bei Django sehr deklarativ programmiert (wie auch bei Ruby on Rails). Man beschreibt, konfiguriert, hat funktional so gut wie keine Zeile programmiert und bekommt ein vollständiges Administrations-WebInterface "geschenkt". Ähnlich deskriptiv geht im Grunde auch Zoho Creator vor -- nur mangelt es dem Produkt entweder an Reife oder an Dokumentation.

Mein Resümee: Zoho Creator macht vor, wie man ausgezeichnete interaktive Oberflächen mit Ajax-Technologie entwickeln kann; da kann sich manch andere Firma ein Scheibchen von abschneiden. Frameworks wie Django oder "Ruby on Rails" zeigen, wie flüssig und leicht die Entwicklung von webbasierten Anwendungen von der Hand gehen kann. Das ist weniger eine Frage der IDE als vielmehr des Frameworks.

Kommentare:

Thomas R. Koll hat gesagt…

Das mit den IDEs hab ich persönlich nie verstanden/akzeptiert, erst recht nicht WYSIWYG-Editoren. Es gibt ja sogar Leute die ihre Applikation, sobald sie für den guten einfachen Textmate zu komplex werden, lieber aufsplitten. Macht ja oft auch Sinn.

Und, kriegt man von deinem Projekt auch eine URL zu sehen?

dh hat gesagt…

Lieber Herr Koll,

das Projekt kann ich nicht öffentlich zugänglich machen; die Entwicklung ist für einen Auftraggeber und läuft in Kooperation mit einer Firma.

Ich wollte mit meinem "Versuchstag" nur selber ein Gefühl für den Umgang mit heutigen Frameworks gewinnen; auch, um ein Gefühl für die Komplexität und den Schwierigkeitsgrad der Umsetzung zu bekommen.

Gruß,

DH

hautzi hat gesagt…

Nach einem kurzen Blick in die Django-Dokumentation gefällt mir mein heißgeliebtes Symfony Framework doch deutlich besser ;)

www.symfony-project.com

cowabunga hat gesagt…

Da kann ich hautzi nur zustimmen. Ich habe schon verschiedene PHP-Frameworks ausprobiert und bisher gefällt mir Symfony auch am besten.

Gruß
Uwe

mephi hat gesagt…

Webbasiert und datenbankgetrieben? Erinnert mich an das DB Framework fürs WIki dass wir im i3G entwickeln. Leider ist es kein open source wie der Rest der vielen Wiki Projekte.
Aber es dürfte ein etwas anderes Anwendungsgebiet haben, als die hier genannten Frameworks.